In der Schweiz ist durch die Tierschutzverordnung vom 01. Januar 2012 das Catch&Release untersagt. Der folgende Textlaut verhindert das Catch&Release.

 

Art. 23 Verbotene Handlungen bei Fischen und Panzerkrebsen

1 Bei Fischen und Panzerkrebsen sind zudem verboten:

a. das Angeln mit der Absicht, die Fische wieder frei zu lassen;

 

Fast alle unserer Mitglieder pflegen im Ausland aktiv das Catch&Release. RÜCKWASSER ist es wichtig, dass das Catch&Release richtig und verantwortungsbewusst gehandhabt wird.


Längst fischt man in den Industrienationen nicht mehr aus Notwendigkeit, sondern um sich zu entspannen.

So mancher Fliegenfischer setzt einen gefangenen Fisch wieder zurück. Das ist jedoch nicht ungefährlich für den Fisch. Viele wissen nicht, dass ein zurückgesetzter Fisch auch Stunden später noch eingehen kann.

 

Hier ein paar nützliche Tipps für richtiges Zurücksetzen:

 

Richtig releasen

In immer mehr Revieren für die Fliege steht in den Bestimmungen auf der Angelkarte „nur Catch and Release“. In den USA gehört das Catch and Release schon lange zur Fliegenfischerei, und wie es amerikanische Art ist, wurden die Auswirkungen dieser Art des Fischens gründlich untersucht. Die meistgelesene amerikanische Fliegenfischerzeitschrift Flyfisherman hat in ihrer Januar-Ausgabe das Ergebnis einer der Untersuchungen über das Catch and Release veröffentlicht. Die Ergebnisse dürften selbst für einen erfahrenen Fliegenfischer sensationell sein! Ich möchte sie Ihnen daher einmal in einer Zusammenfassung darlegen.

 

Tod im Verborgenen

Bei den Untersuchungen wurden drei Gruppen von Forellen mit einem Gewicht von einem Pfund und einer Wassertemperatur von 15 Grad untersucht. Die Fische der ersten Gruppe wurden nach dem Drill unter Wasser abgehakt, die der zweiten und dritten Gruppe wurden innerhalb von 30 bis 60 Sekunden außerhalb des Wassers vom Haken befreit. Anschließend wurden alle Fische zur Beobachtung in frisches Wasser gesetzt. Das erstaunliche Ergebnis: Von den unter Wasser abgehakten Forellen überlebten 88 Prozent, bei den Fischen, die 60 Sekunden außerhalb des Wassers waren, jedoch nur 28 Prozent! Dabei zeigte sich, daß die Fische nicht unbedingt kurz nach dem Abhaken starben, sondern teilweise erst nach 4 bis 12 Stunden. Davon waren übrigens auch die Fische betroffen, die sachgemäß behandelt wurden. Diese verzögerte Sterblichkeit führt oft zu einer falschen Beurteilung des Zurück - setzens, denn sie kann den Eindruck erwecken, daß ausgelassene Fische immer überleben. Warum wir dann nicht mehr tote Fische im Wasser sehen? Weil die zurückgesetzten Fische oft zum Grund schwimmen oder sinken, von hungrigen Räubern wie Hechten und Huchen gefressen werden oder auch kilometerweit abtreiben und dann am Grund verenden.

 

Gefährliche Milchsäure

Die Frage ist nun: Warum sterben selbst Fische in der Kontrollgruppe, die sehr schonend direkt im Wasser abgehakt wurden? Die Antwort liegt im Stoffwechsel des Fisches: Wenn ein gehakter Fisch im Drill kämpft und flieht, baut sich hauptsächlich im Muskelgewebe Milchsäure auf, die in hoher Konzentration tödlich sein kann. Die Forelle wird müde, und manche Fische sterben, weil sie beim Drill den ganzen Sauerstoffvorrat im Körper verbraucht haben und in diesem äußerst kritischen Zustand wieder zurückgesetzt werden. Besonders drastisch wird es, wenn die Forelle nach dem Drill aus dem Wasser gehoben wird. Um zu verstehen, was dann passiert, muß man die Anatomie des Atemsystems der Forelle betrachten: Die Forelle hat an beiden Seiten des Kopfes vier Kiemen. Sie bestehen aus einem roten Geflecht. Mit diesem Geflecht sind Tausende mikroskopisch kleiner, feiner Lamellen verbunden, die so genannten Sekundär Lamellen. Diese tauschen im Wasser das giftige Kohlendioxyd gegen den lebenswichtigen Sauerstoff aus. Diese zarten Sekundärlamellen, in denen der Gasaustausch stattfindet, werden durch den Wasserdurchfluß in der Schwebe gehalten. Sobald die Forelle an der Luft ist, fallen diese Sekundärlamellen in sich zusammen, und die Forelle beginnt zu ersticken: Nimm keinen erschöpften Fisch in dem Moment aus dem Wasser, in dem er Sauerstoff am nötigsten braucht!

 

10 Punkte für den Fisch

Wenn Sie Fische zurücksetzen möchten, sollten Sie folgende Punkte beachten, die die Überlebensrate der Fische drastisch erhöhen:

 

1.

Benutzen Sie einen Haken ohne Widerhaken. Das macht das Abhaken leichter und schneller.

 

2.

Benutzen Sie Gerät und Vorfachmaterial, das zu der zu erwartenden Fischgröße paßt. Mit zu leichtem Gerät kann man den Fisch nicht schnellstmöglich landen und riskiert, daß er zuviel Sauerstoff verbraucht.

 

3.

Landen Sie den Fisch so schnell und vorsichtig wie möglich.

 

4.

Wenn Sie den Fisch im Drill nicht näher bringen, ist es weniger schmerzvoll, einen Vorfachbruch zu riskieren als den Fisch bis zur Erschöpfung zu drillen.

 

5.

Führen Sie den Fisch ins seichte Wasser (nicht zwischen Steine), knien Sie nieder (wenn es nötig ist), und entfernen Sie den Haken mit der Hand, ohne die Forelle überhaupt zu berühren. Manchmal fällt ein widerhakenloser Haken allein dadurch heraus, daß man die Schnur locker läßt.

 

6.

Bleiben Sie mit Ihrer Hand vom Maul des Fisches weg, und berühren Sie niemals die Kiemen.

 

7.

Wenn der Haken tief sitzt, führen Sie den Fisch ins seichte Wasser, und benutzen Sie einen Hakenlöser. Wenn der Haken extrem tief sitzt, dann schneiden Sie das Vorfach so dicht wie möglich am Öhr des Hakens ab. Der Haken wird entweder ausgespuckt (oft innerhalb weniger Stunden), oder er wird mit der Zeit aufgelöst.

 

8.

Vermeiden Sie den Gebrauch einesKeschers. Das Netz kann die Schuppen und die Schleimschicht über den Schuppen beschädigen, die den Fisch vor Infektionen und Krankheiten schützt. Falls man einen Kescher benutzen muß, sollte das Netz knotenlos sein und vor dem Keschern naß gemacht werden. Halten Sie bei einem kleinen Fisch einen langen Keschersack gegen den Griff, um dessen Tiefe zu verringern. So können Sie den Fisch anschließend leichter auslassen.

 

9.

Wenn Sie Ihren Fang fotografieren möchten, sollten Sie jemanden dabei haben, der für Sie das Foto macht. Lassen Sie den Fisch im seichten Wasser, bis der Fotograf die Kamera bereit hat. Machen Sie dann Ihre Hand naß, halten Sie den Fisch an der Schwanzwurzel und unter dem Bauch. Halten Sie dann den Fisch nicht mehr als 15 Sekunden für ein schnelles Foto hoch.

 

10.

Beleben Sie den Fisch wieder, wenn es notwendig ist. Halten Sie ihn mit dem Kopf voran in schnelleres Wasser, beispielsweise an der Strömungskante hinter einem Stein, damit mehr Wasser durch die Kiemen fließt und der Fisch schneller und mehr Sauerstoff aufnehmen kann. Warten Sie dann, bis der Fisch von alleine wegschwimmt. Wenn Sie diese Punkte beherzigen, können Sie beim nächsten Mal Ihren Fisch unbeschädigt zurücksetzen. Sie haben dann auf jeden Fall eine Erinnerung für Ihr ganzes Leben – und die Genugtuung, ein kostbares und begrenztes Gut für künftige Generationen zu erhalten.

 

Aus: "Fliegenfischen" 3/2001, Michael Werner.